The Menzingers – After The Party

Label Epitaph
Musikrichtung Punk
Redaktion
Lesermeinung
6.3

Was waren das für deprimierende, aber gleichzeitig tröstende Songs, die die Menzingers mit „Rented World“ auf die Welt losgelassen haben? In der Zwischenzeit ist auf beruflicher und persönlicher Ebene viel passiert. Die US-Amerikaner aus Philadelphia haben sich zu einer festen Größe der internationalen Punkrock-Szene hochgespielt und die Bandmitglieder befinden sich mittlerweile jenseits ihrer 20er. „After The Party“ zieht nach vier Alben einmal Bilanz – und wirft einen romantisierten Blick zurück auf die unweigerlich vergangene Jugend.

Mit „Lookers“ bekamen die Fans bereits ein halbes Jahr vor der Albumveröffentlichung eine erste Kostprobe zu hören. Ein nostalgischer Blick auf das ehemalige Selbst, das noch voller Abenteuerlust auf die Welt losging.

Der Blick in die Vergangenheit gelang den Menzingers schon 2012 auf ihrem Durchbruch „On The Impossible Past“. Der Unterschied zu diesem Album liegt nun vor allem in der „erwachseneren“ Perspektive. Mittlerweile ist man einfach älter. Dieser Zugang betrifft nicht nur die Texte, sondern auch die Melodien und den Sound. Waren auf dem Vorgänger „Rented World“ noch das eine oder andere Geschrei oder Gewimmer in nicht immer eingängige Songstrukturen gehüllt, geht es hier zugänglicher zu: Harmonien, die schon beim ersten Durchlauf in übersichtlichen Arrangements zünden und immer wieder eine dezent eingesetzte Akustik-Gitarre, die den Liedern eine bis dato nicht gekannte Wärme verleiht.

Trotz aller Einfachheit geht es nicht um Banalitäten. Eine präzise, bildhafte Sprache in Kombination mit treibendem Rhythmen ermöglicht dem Hörer bei Songs wie „Your Wild Years“ oder „Bad Catholics“ einen intensiven Ritt in die Vergangenheit. Diese Eindringlichkeit kann „After The Party“ allerdings nicht über die gesamte Albumlänge halten. Bei einem Song wie „Thick As Thieves“, der in AC/DC-Manier breitbeinig das Stadiontor öffnet, wird der Fan der ersten Stunde förmlich dazu eingeladen, sich ebenfalls nostalgisch nach „den guten alten“ Menzingers zurückzusehnen. Ein Hauptunterschied mag darin liegen, dass die Amerikaner nicht mehr schonungslos dahin gehen, wo es weh tut. Statt sich in der Depression zu suhlen, wird hier aus sicherer Entfernung das Vergangene gegrüßt.

Die Menzingers haben sich ihre Nachdenklichkeit bewahrt. Doch statt Tristesse und Einsamkeit klingt dieses Album viel mehr nach einem geselligen Klassentreffen in der Lieblingskneipe. Die innersten Abgründe werden zu Hause gelassen und die Vergangenheit für einen Abend zurückgeholt. Die lustigen und traurigen Geschichten werden nur zwischendurch von Banalitäten abgelöst. Ein Drama ist das freilich nicht.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Berichte
Top-Alben The Hirsch Effekt - Holon Anamnesis, We Were Promised Jetpacks - These Four Walls, Apologies I Have None - London, The Offspring - Smash, Herrenmagazin - Das Wird Alles Einmal Dir Gehören
Die besten Konzerterlebnisse Zinnschauer (Hildesheim 2013), We Were Promised Jetpacks (Hamburg 2014), The Xcerts (London 2012, Supprt: Yearbook)

Hinterlasse einen Kommentar