The Wakes – Venceremos

Album Venceremos
Band The Wakes
Musikrichtung Punk, Folk
Redaktion
Lesermeinung
6

Die Celtic-Punks The Wakes mixen auf „Venceremos“ einen im Pub ausgeschenkten Cocktail aus Folk, Punk und Ska. In einem musikalischen Feld, in dem durch Genre-Größen wie Flogging Molly oder Dropkick Murphys alles gesagt scheint, bieten die Schotten damit eine angenehm-unkonventionelle Abwechslung.

Auffällig ist zunächst einmal die Instrumenten-Fülle, die auf „Venceremos“ zum Einsatz kommt. Zu den konventionellen Punk-Zutaten und der kraftvollen, aber klaren Stimme von Sänger Paul Sheridan gesellen sich Mandoline, Trompete, Harmonika, Keyboard und eine Panflöte. Dass dies in der Kombination mit Ska-Beats wie in „Rise“ zunächst befremdlich wirkt oder die ohnehin schon pathetisch aufgeladenen Balladen die Kitsch-Grenze überschreiten lässt, ist kaum zu leugnen. Das Instrument mit dem Punk-Appeal eines Schützenfests entpuppt sich allerdings besonders im Einsatz in den konventioneller arrangierten Punksongs als atmosphärische Stütze. Die versetzt den Hörer gedanklich nicht nur an den Tresen eines prall gefüllten Irish Pubs, sondern verleiht den Songs eine ironiefreie Leichtigkeit, die schon beim ersten Hören zündet. Dass es freilich spätestens ab dem dritten Durchlauf bis auf die Vielfalt der Instrumente musikalisch nicht mehr so viel zu entdecken gibt auf „Venceremos“, ist die Sichtweise des halb leeren Guiness-Pints.

Textlich drehen sich die Songs um einschneidende Momenten der schottischen Geschichte, aber auch um aktuelle politische Entwicklungen. „No Human Is Illegal“ ist eine hymnische Ballade, die nicht nur einen plakativen Titel trägt, sondern auch etwas zu erzählen hat; über die „right wing gutter press“ und fehlende Empathie gegenüber Flüchtlingen („how many bodies must be washed up on the shore“). Rein akustisch begleitet und mit feinfühligen Melodien schwingt sich der Song überraschend zum Highlight der Platte auf.

The Wakes haben also mit „Venceremos“ kein Album für einsame Stunden geschaffen. Vielmehr macht es Lust auf energiegeladene Shows in kleinen Clubs und Kneipen, in denen es eher um das Gemeinschaftsgefühl als um irgendwelche persönlichen Befindlichkeiten geht.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
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