Thees Uhlmann – Junkies und Scientologen

Musikrichtung Rock
Redaktion
Lesermeinung
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Das Leben hat Höhen und Tiefen. Oder es verläuft in Kurven. Wie eine Straße. Zum Beispiel wie die B73, die im hohen Norden Cuxhaven und Hamburg verbindet. Ex-Tomte-Sänger Thees Uhlmann macht aus dieser Straße etwas Ikonisches. „Das Leben ist kein Highway, es ist die B73“, singt er in seinem Song „Fünf Jahre nicht gesungen“, dem furiosen Auftakt zu seinem dritten Soloalbum.

Fünf Jahre, in denen Uhlmann viel erlebt und viel nachgedacht hat. „Die zwei Jahre, nachdem mein Buch draußen war, waren eine Katastrophe. Ich brauche immer Zeit, wenn ich Kultur gemacht habe“, sagte er gegenüber einem „Spiegel“-Reporter. „Ich wollte schnell wieder mit der Musik anfangen, aber das hat überhaupt nichts gebracht. Ich habe Texte geschrieben, als wäre ich 28. Da war überhaupt nichts drin, was mich oder mein Seelenleben repräsentiert hat. Dann habe ich den ganzen Scheiß abgebrochen. Ich bin seit fünf Jahren einfach ein zorniger, konstant nachdenkender, Angst habender und alles verfluchender Mensch. Und bei der Platte, die es nicht gibt, da habe ich kein Gefühl zugelassen.“

Mit „Junkies und Scientologen“ ist nun der Nachfolger des 2013 erschienen „#2“ da. Und es gibt dem Hörer noch ein bisschen mehr als der Vorgänger. Große Melodien, aber auch intime Momente, die Uhlmann mit seinen Fans teilt. Der Sänger hat die Begabung aus scheinbar unwichtigen Beobachtungen Texte zu machen, die eine Geschichte erzählen und deutliche Bilder erzeugen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Ballade „Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach HipHop Videodrehs nach Hause fährt“: „Es riecht nach Duftbaum und Parfüm. Ein Mann starrt neben mir sorgenvoll auf seine Autos. Während Rapper mit Entourage an uns vorüberziehen. Ich setz‘ alles auf eine Karte.“

Was überraschen mag, sind die Hommagen, die der Sänger auf diesem Album wählt. Mit dem Tomte-Song „Wie sieht’s aus in Hamburg“ erinnerte er einst an den Sänger Elliott Smith. Auf „Junkies und Scientologen“ kommen andere Musiker und sogar ein Autor zum Zug: Mit der zweiten Single „Avicii“ setzt Uhlmann dem im vergangenen Jahr verstorbenen schwedischen DJ ein Denkmal. Und auch Thriller-Autor Stephen King („Danke für die Angst“), die Scorpions („Was wird aus Hannover“) sowie Popsängerin Katy Perry („Katy Grayson Perry“) bekommen ihren Platz auf dem Album.

Lohnenswert zu hören ist auch die Bonus-CD „Gold“, auf der Thees Uhlmann deutschsprachigen Künstlern und Bands wie 2raumwohnung, Nena oder Klotz + Dabeler huldigt. Besonders gelungen die emotionale Ballade „Der letzte Optimist“, die im Original von Judith Holofernes stammt. Wunderbar zurückgenommen singt Uhlmann lyrische Zeilen wie „Nichts hieran ist gut. Nichts werd ich daraus lernen. Mein Herz pumpt nichts als Blut mehr. Und hinter diesen Sternen. Nichts als Satellitenschrott. Undendlichkeit und Elend.“

„Junkies und Scientologen“ ist Thees Uhlmann in Reinform. Eine abwechslungsreiche Platte, bei der der Hörer die gesamte Palette an Emotionen serviert bekommt. Und auch einen kleinen Einblick in Uhlmanns Seelenleben.

Autor Denise Frommeyer
Wohnort Mainz
Beruf Online-Redakteurin
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