Thees Uhlmann – Thees Uhlmann

Musikrichtung Indie, Pop
Redaktion
Lesermeinung
3

In den meisten Fällen nutzt ein Künstler Solo-Ausflüge ja dazu, mal was anderes zu machen als in seiner Hauptband. Eben dafür hat Thees Uhlmann sich jetzt eine Zeit lang von Tomte verabschiedet und eine, schlicht mit seinem Namen betitelte, Platte aufgenommen. Doch Thees macht nicht plötzlich Elektro, Rap oder Heavy Metal. Thees tut das, was er im Prinzip auch bei Tomte tut: In beschwingten Indie-Arrangements kleine Geschichten aus dem Leben erzählen – und, jaja, Casper ist auch dabei.

Für den Tomte-Chef liegen die Unterschiede wohl eher im Prozess selbst. Die Songs hat er im Alleingang am Klavier komponiert- wohl der Grund, warum das Tasteninstrument auf ‚Thees Uhlmann‘ deutlich öfter vertreten ist als bei Tomte. Auch die Texte haben eine wesentlich persönlichere Note. Thees erzählt im schönen Opener „Zum Laichen und Sterben schwimmen die Lachse den Fluss hinauf“, was er so übers Leben gelernt hat. Oder nimmt den Hörer in seiner Ode an das Friesland ‚LAT: 53.7 LON: 9.1111667‘ mit in sein Heimatdorf. Und in ‚& Jay-Z singt uns ein Lied‘ geht’s um seine Tochter – bei dem Track revanchiert sich Casper mit einem Feature auch für Thees‘ Beteiligung an ‚XOXO‘.

So pathetisch wie auf Casper’s Erfolgsalbum geht’s auf Thees’ Soloausflug selbstredend nicht zu. Der Uhl- ist eher der -mann für die kleinen Dinge und beweist ein gutes Auge für den Alltag: Der mit beste Song „Sommer in der Stadt“ fängt den Morgen nach einer durchzechten Nacht durch cooles Riffing und Thees‘ hier eher zurückhaltenden Gesang perfekt ein. Durch das unbeschwerte „Das Mädchen von Kasse 2“ schimmert große Melancholie. Zeitweise wird’s etwas zu avantgardistisch („Paris im Herbst“, furchtbares Akkordeon!) oder einfach etwas langweilig („Die Toten auf dem Rücksitz“), aber das Album hat auf jeden Fall genug starke Songs, um zu überzeugen und sich gut ins Werk des Hamburgers einzureihen.

Es gibt „Thees Uhlmann“ übrigens auch in einer Version mit 3 Bonustracks. Für „Hummingbird“ lohnt sich das: Ein schöner Track mit Steel-Pedal-Gitarre, ungewöhnlich ruhig, weil sich die sonst treibenden Drums hier zurückhalten. „To mate and to die salmons swim upstreams“ und „Paris En Autumne“ sind allerdings relativ sinnfreie Zweitversionen der beiden Albumsongs, die von Thees eben in der jeweiligen Sprache eingesungen wurden – nicht weiter spannend.

Insgesamt bleiben die großen Überraschungen auf ‘Thees Uhlmann‘ also aus – aber die sind auch nicht zwangsläufig vonnöten. Man mag’s wenden, wie man will: Ob Tomte nur Thees kann oder Thees eben nur Tomte – Thees macht halt Thees. Und trifft auch auf seinem Soloalbum die richtigen Zwischentöne, um seine Geschichten sympathisch und mit subtiler Poesie zu erzählen.

Autor Enno Küker
Wohnort Tübingen
Beruf Student
Dabei seit Mitte 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben ...kommen und gehen. Immer gut: Bahamas - Pink Strat // Brand New - The Devil and God are Raging Inside Me // Bruce Springsteen - The River // The Chariot - One Wing // Cigarettes After Sex - s/t // Emery - I'm Only A Man // Every Time I Die - New Junk Aesthetic // Godspeed You! Black Emperor - Allelujah! Don't Bend, Ascend // La Dispute - Wildlife // Taking Back Sunday - Tell All Your Friends
Die besten Konzerterlebnisse Bier in der Hand, Gänse auf der Haut

Kommentare

  2 kommentare

  1. Henning

    Ich stimme euch da zu – große Überraschungen bleiben aus. Aber die hat man wohl auch nicht erwartet. Einfach ne schöne Platte für den kommenden Herbst. Die Bewertung is daher goldrichtig.

    Ach und DANKE das ihr nicht den Springsteen Vergleich bringt. Ihr seit so ziemlich die ersten bei denen ich das nicht lese. Finde nämlich, es wird etwas übertrieben damit. 😉

  2. Benjamin Fischer

    Ohne das Album zu kennen; das Cover schreit aber schon etwas nach dem Boss.:D

Antworten auf Henning

Hier klicken, um das Antworten abzubrechen.