Thrice – Palms

Album Palms
Band Thrice
Musikrichtung Alternative
Redaktion
Lesermeinung
6.4

Thrice machen es einem aber auch nicht einfach. “To be everywhere is to be nowhere” stand noch ganz im Zeichen von konstanter Weiterentwicklung, wenn auch in langsameren Schritten, die man als Fan eben mitgehen musste. Irgendwie gilt das natürlich auch für die neue Platte “Palms”. Obwohl die Songs sich auch auch ohne Probleme auf dem Vorgänger wiederfinden könnten, bleibt diesmal verdammt wenig hängen. Im Bekanntenkreis kursieren Begriffe wie “Grower” und “Dadrock”.

Erst einmal zu den Fakten: Zehn Songs legen Thrice auf ihrem nunmehr zehnten Studioalbum vor. Dustin Kensrues Stimme ist nach wie vor über jeden Zweifel erhaben. Viel Mühe ist wieder in unterschiedlichste Sounds für Gitarren und Drums (die für eine moderne Produktion erstaunlich natürlich scheppern und knarzen – positiv gemeint) geflossen, wodurch jeder Song eine eigene Klangfarbe bekommt. Komplettiert wird das Setup durch diverse Gastinstrumente, wie Klavier, Synthesizer, Harfe (!) und Percussion.

Bei den ersten Synthie-Klängen des Openers “Only Us” ist man allerdings kurz irritiert: Ist das der Soundtrack zur neuen „Stranger Things“-Staffel? Jedenfalls entwickelt sich nach einigen Durchläufen ein Song, der durchaus Ohrwurmpotenzial besitzt. Die auch als Vorabsingle veröffentlichten “The Grey” und “The Dark” sind ebenfalls im unteren Tempobereich angesiedelt. Diese drei Songs bilden den besten Teil von “Palms”. Beim folgenden “Just Breathe” bleibt dagegen nicht wirklich etwas hängen. “Everything Belongs” ist immerhin eine schöne, sehr persönliche Ballade, die zumeist allein von einer Klavierfigur getragen wird und stark an “Chloe Dancer / Crown of Thorns” von Mother Love Bone erinnert. Muss ja nicht schlecht sein.

“My Soul” im Anschluss schlägt in die gleiche Kerbe, muss aber im direkten Vergleich deutlich zurückstehen. Bei Track Nummer sieben (“A Branch In The River”) treten die vier Musiker im Refrain endlich – und ehrlich gesagt auch zum einzigen Mal auf der ganzen Platte – zumindest ansatzweise aufs Gaspedal. Doch nach nicht mal zehn Sekunden wird der Doubletime-Rhythmus jedes mal auch gleich wieder ausgebremst – Mitreißen geht anders.

Mit “Hold Up A Llight” ist auch ein grooviger Rocker vertreten, der sich in Strophe und Refrain auf dem gleichen Gitarrenriff aufbaut und dadurch trotz lediglich 3:29 Minuten Laufzeit seine Längen hat. Bei “Blood On Blood” kommt dann besagte Harfe zum Einsatz, die dabei auch ziemlich deplaziert wirkt. Wurden auf dem Vorgänger politische Themen noch wütend verpackt (“Death From Above”), geht es auf “Palms” übrigens auch hierbei ruhiger zu.

Alle Songs sind für sich anders und doch als Gesamtwerk zu erkennen, das können Thrice einfach. Klarer Gewinner ist jedoch die A-Seite, auf der sich das deutlich bessere Material findet. Die Band stellt sich mit „Palms“ gegen den Trend: Hier werden keine schnellen Ohrwürmer abgeliefert, nur damit der Hörer beim Streaminganbieter nicht weiterskippt. Leider bleiben sie aber was Tiefgang angeht unter dem Niveau, das sich Thrice durch ihr bisheriges Schaffen selbst gesetzt haben.

Autor Tobias Luger
Wohnort Hamburg
Beruf ja
Dabei seit 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Fotos, auch mal Interviews oder Reviews
Top-Alben Shai Hulud - alles rauf und runter, Poison The Well - The Opposite Of December, Bane - Don't Wait Up
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