Tigeryouth – s/t

Album s/t
Band Tigeryouth
Label Zeitstrafe
Redaktion
Lesermeinung
5

Tigeryouth wandert auf seinem zweiten Album gekonnt zwischen Punk, Folk und Blues und hat sogar eine paar prominente Gastmusiker im Gepäck. Besser gelaunt als bei seinem Debüt vor zwei Jahren klingt der Schreihals aus Ibbenbüren zwar nicht. Die musikalische Weiterentwicklung aber ist beachtlich.

Gemächlich bluesig begrüßt einen das Album mit dem ersten Track „Blumenbeete“ und man darf mit automatisch mitwippendem Fuß Tigeryouths Reflexion seines eigenen Lebensstils beiwohnen. Ruhige Songs, wie dieser mit gekonntem Gezupfe und sanfter Stimme vorgetragen, zeigen, dass die für Tigeryouth gern verwendete Schublade „Akustikpunk“ viel zu wenig Platz bietet, um ihm gerecht zu werden.

Tilman Benning ist kein Mann für Hintergrundgedudel. Das untermauert auch diese Scheibe. Immer wieder keift sich über die Spielzeit die raue Stimme an ihre Grenzen gekeift. Das passt ins Bild – ganz besonders in der Anti-Nazi-Hymne „Lauter“, die sich mit einem imposanten Chor der braunen Brut entgegenstellt.

Für garantierte Gänsehaut sorgt „Herz schultern“, bei dem Tigeryouth Unterstützung von Captain Planet-Sänger Jan Arne von Twistern bekommt. Die gegensätzlichen Stimmen passen so wunderbar zueinander, dass sich dieser Song über die Probleme mit Vergangenheitsbewältigung und gut gemeinter Hilfe als echtes Goldstück entpuppt. Hits wie dieser oder das direkt folgende „Angst“ lassen auch über weniger spannende Songs, wie das dezent anstrengende „Mammon“, hinwegsehen.

Tigeryouth traut sich im Vergleich zum roh aufgenommen Debüt „Leere Gläser“ deutlich mehr. Von Gastsängern (u.a. Jörkk Mechenbier von Love A) und Gastsängerinnen (Anne Miau von Hass auf Alles), über E-Gitarren, Bass-Läufe („Angst“) bis hin zu rudimentärem Drums („Mammon“) steht Benning auf einmal nicht mehr alleine auf der imaginären Bühne des Plattentellers. Eine erfrischende Neuerung. Nach Tigeryouth plus Band klingt die Chose allerdings nie, dafür spielt Benning zu akzentuiert mit den Neuerungen.

Dass zu guter letzt Beinnings Texte trotz ihrer manchmal irritierenden Direktheit angenehm vielschichtig sind, macht diese Platte zu einem erstaunlich gelungenen Gesamtwerk.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
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