Touche Amore – ..to the beat of a dead horse

Label 6131 Records
Musikrichtung Punk, Screamo
Redaktion
Lesermeinung
8

Selten, wirklich selten stöbert man auf Myspace herum und kommt auf Umwegen auf das Profil einer Band von der man vorher noch nie etwas gehört hat. Touche Amore, was für ein schrecklicher Name und dann kam das böse Erwachen. Diese vier Jungs aus Los Angeles haben es mit den ersten 30 Sekunden ihres Songs „Swimming with sharks“ geschafft, mich auf ganzer Linie zu überzeugen, ohne das ich irgendein anderes Lied von ihnen gehört habe. Ein paar Minuten später, der nächste Schock: Das Debüt-Album der Band, welches Anfang August erschien, bietet Gastauftritte von Jeff Eaton, dem Sänger von Modern Life Is War und Geoff Rickly von Thursday. Mein Gott, Jeff Eaton! Einige viele Tage später wanderte das besagte Album mit dem Titel „..to the beat of a dead horse“ in meine Hände und nun bin ich vollkommen davon überzeugt, dass das hier eines der besten Alben 2009 ist. Fernab von Größen wie Have Heart oder Comeback Kid agieren Touche Amore auf einer ganz anderen Stufe. „..to the beat of a dead horse.“ klingt rau, längst nicht so überproduziert und glattgeschliffen wie die Longplayer der eben erwähnten Bands. Dem geübten Hörer werden hier sofort Ähnlichkeiten zu Comadre auffallen, aber im Gegensatz zu den Kollegen aus San Carlos sind Touche Amore im Mid-Tempo-Bereich zu Hause und das passt hier wie die Faust auf’s Auge zur Botschaft der einzelnen Songs. Der Opener“..and now it’s happening to mine“ beginnt verzweifelt und melodisch. Fenau so geht es auch mit „Honest sleep“ weiter, eines der Highlights auf „..to the beat of a dead horse“. Hier zeigen Touche Amore ihre ganze Stärke und Vielseitigkeit, ob nun mit instrumentalen Parts oder am Ende, wenn Sänger Jeremy ganz alleine, ohne Gitarre und Schlagzeug, seine Verzweiflung zum Ausdruck bringt. Der schon am Anfang von mir erwähnte Titel „Swimming with sharks“ läutet die Halbzeit des Albums ein und ist ein weiteres Highlight. Mit 63 Sekunden ist dieser Song zwar wahrlich ein kurzes Vergnügen, aber an Intensität und Emotion wohl kaum zu übertreffen und wo wir gerade bei kurz und intensiv sind, mit „Nine“ ist da noch so ein kleines Schmankerl mit 44 Sekunden auf diesem Album zu finden. Vorher gibt es aber mit „History reshits itself“ einen politischen Song, welcher sich mit der Korruption von Politikern beschäftigt und von Geoff Rickly ordentlich Rückhalt im Mittelteil bekommt.
„..to the beat of a dead horse“ ist ein themenreiches Album, ob es nun um Einsamkeit geht, wie in „Suckerfish“, um einen kaum zu erwartenden Abschied und Neuanfang, wie in „Adieux“ oder um politische Themen wie in „History reshits itself“, eines hört man immer heraus: Verzweiflung und Sehnsucht nach etwas Besserem, nach dem Guten im Menschen. Touche Amore haben es mit ihrem Debüt geschafft mich zu begeistern und auch anhand der gespielten Titel auf last.fm (innerhalb von einem Monat über Zwanzigtausend) lässt sich schlussfolgern, dass es diese Band zu großer Beliebtheit gebracht hat. Momentan sind die vier Kalifornien zusammen mit Thursday auf US-Tour, aber vielleicht kommen sie ja auch bald zu uns. Ich jedenfalls würde mich freuen, denn so ein gutes und facettenreiches Album habe ich lange nicht mehr gehört.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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