Twin Red – Please Interrupt

Band Twin Red
Label Evil Greed
Musikrichtung Alternative
Redaktion
Lesermeinung
6

Es war schon interessant, wie lange es in Europa dauerte, bis Bands auf den Plan traten, die auch genauso gut in den Staaten auf Run For Cover hätten veröffentlichen können. Klassischer Pop Punk ist längst tot und langweilig, verwurzelt im Hardcore-Kosmos und mit der ein oder anderen Indie-Note versehen aber gibt es momentan wohl kaum eine heißere alternative Musikrichtung, die vor allem eben Übersee immer mehr in den Mainstream drängt. Während die Hardcore-Fahne in all ihren Facetten auch hierzulande von einigen Vertretern teils höher gehalten wird, als das auf der anderen Seite des großen Teiches der Fall ist, so beginnt dessen alternativer Auswuchs sich erst allmählich mit Bands wie New Native, Rivers & Tides oder den Sandlotkids in Deutschland und Umgebung auszubreiten.

Ins Auge (oder eher ins Ohr) fällt einem beim Blick nach drüben vor allem die Entwicklung der unterschiedlichen Bands. Alle mal ungefähr im gleichen Spektrum angefangen, wird wohl kaum noch jemand die aktuellen Scheiben von Title Fight, Basement, Citizen, Turnover, Seahaven und Co musikalisch in eine Schublade stecken wollen. Die Gemeinsamkeiten sind natürlich trotzdem da – und so macht es auch Sinn Twin Red (Ex-Client.) aus Hannover im selben Atemzug zu erwähnen, was vorneweg schon mal als größtmögliches Kompliment aufgefasst werden darf.

Klar, ein paar Schwächen gab es bei Client. und die gibt es auch bei Twin Red: Hier sind die Texte mal ein wenig schwachbrüstig und trocken, da ist die Musik mal etwas zerfahren und dümpelt etwas zu lange vor sich hin. Trotzdem: Analog zu den erwähnten Referenzbands haben Twin Red eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht – weg vom hardcore-infizierten (Pop-)Punk, hin zu einem indielastigen, verträumten Gesamtbild, das schlichtweg überzeugt. Twin Red sind musikalisch gewachsen und gereift, haben den vielzitierten eigenen Sound gefunden und machen es sich hierzulande absolut gemütlich in ihrer Vormachtstellung.

Man könnte Twin Red jetzt als Band der Stunde bezeichnen – das wäre aber zu kurz gegriffen. Den Einstiegsmoment in die zyklische Entwicklung die alternativer Punk mit Hardcore-Wurzeln in den letzten Jahren durchmacht, haben sie – gewollt oder nicht – genau abgepasst und sind vergleichbaren europäischen Bands momentan einfach voraus. „Please Interrupt“ spielt am Puls der (alternativen) Zeit, ist verträumt wie mitreißend, dürfte live zwischen Hardcorebuddies genauso gut funktionieren wie auf einem Line Up mit diversen Indiebands – und ist schlichtweg ein gutes Album.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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