Wish You Were Here – I’m Afraid Of Everything

Musikrichtung Indie-Rock
Redaktion
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Müsste man den Titel “Hardest Working Man in Show Business” erneut vergeben, würde die Wahl wohl auf Jesse Barnett fallen. Wenn der Sänger nicht mit Stick to your Guns unterwegs ist, tourt er mit seinem Soloprogramm durch die Lande. Einmal nicht auf Reisen, produziert er neue Musik – sei es ein Album mit Trade Wind, eine Split mit Nathan Grey oder ein Album mit seinem neusten Projekt Wish You Were Here.

Was 2012 als ein Kickstarter-Projekt begann, hört heute auf den Namen “I’m Afraid Of Everything”. Zweitausend Dollar galt es einzusammeln, um die Produktion für ein Album mit acht bis zehn Songs zu finanzieren. Völlig im Alleingang entstand das Album natürlich nicht. Unterstützung gab es von Derek Hoffman als Produzent, sowie Scott Ruth und Noah Calvin, die hier und da noch Gitarre und Synthesizer beigesteuert haben. Das Gros aber wurde von Barnett in einem Schlafzimmer in Montreal eingespielt und aufgenommen. Und diese Stimmung einzufangen, ist ihm bestens gelungen.

 “Christmas Creek” eröffnet mit einem Synthie-Beat, ehe der fast schüchtern wirkende Gesang und die Gitarre einsetzen. Wenn er sich bei Stick To Your Guns nicht die Seele aus dem Leib brüllt, wirkt Jesses Gesang ohnehin so, als würde er nur  für sich selbst singen. Nur selten erhebt sich seine Stimme über Zimmerlautstärke wie etwa in “Five Roses” . Auch “No Say” vermittelt die Stimmung, die bei seiner Aufnahme vorgeherrscht haben muss – Jesse Barnett mit Gitarre und Laptop, vielleicht auf der Bettkante sitzend und nur so laut singend, damit ihn im Nachbarraum auch ja niemand hört.

 

Vom Aufbau ähneln sich die Songs auf eine gewisse Art: Gezupfte Gitarre mit Jesses typischem Gesang, gefolgt von einem Refrain, der ein wenig zum Kopfnicken einlädt, um dann wieder in ruhigere Sphären überzugehen. Dennoch klingen die Songs nie nach Schema F, dafür sind die Melodien einfach zu verträumt und die Texte zu melancholisch. 

Getreu dem Motto “Du kannst einen Jungen aus Kalifornien bekommen, aber Kalifornien nicht aus dem Jungen”, besitzt das Album einfach diesen typischen Sonnenschein-Vibe. Die Songs wirken wie eine Fahrt auf dem Beachcruiser entlang der Promenade von Venice Beach. Möglicherweise war es zu den Aufnahmen in Montreal auch kalt genug, um sich ein bisschen Sonne herbeizusehnen, wer weiß. Es sei zumindest an dieser Stelle jedem gedankt, der Geld in dieses Projekt investiert hat.

Autor Philip Kleinau
Wohnort München
Beruf Techniker
Dabei seit Juni 2019
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Berichte
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