Wolf Down – Liberation

Album Liberation
Band Wolf Down
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
4

Im europäischen Hardcore gibt es momentan wohl keine andere Band, bei der die Meinungen so weit auseinandergehen wie bei Wolf Down. Das liegt jedoch ausnahmsweise einmal nicht an der Musik, denn die Band gehört zweifellos zum Besten was Hardcore momentan zu bieten hat. Vielmehr sind es Wolf Downs radikal linke politische Ansichten und ihre oft militant anmutende Straight-Edge-Auslegung, die in der Szene für Kopfschütteln und Diskussionen sorgen. Auch mit ihrer neuen EP wird sich daran wenig ändern. Im Gegenteil: durch ihren neuen Sänger Dave sind Wolf Down musikalisch härter und aggressiver als je zuvor – und politisch noch radikaler.

Nicht ohne Grund trägt die knapp acht Minuten lange und lediglich zwei Songs fassende EP den in viele Richtungen interpretierbaren Titel „Liberation“. Doch „Torch of Reason“ und „Flames of Discontent“ sind viel mehr als nur Lieder: es sind politische Manifeste. Manifeste, die Missstände anprangern, die ein Umdenken erzeugen, die befreien wollen. Und wie wir es schon von den vorherigen Veröffentlichungen kennen, geschieht das Ganze auf ziemlich schonungs- und kompromisslose Art und Weise.

Die jederzeit präsente Befreiung soll dabei vor allem auf zwei Ebenen geschehen. So fordern Wolf Down im ersten Song „Torch of Reason“ dazu auf, sich aktiv für die Rechte der Tiere einzusetzen und diese (Vorbild sind hier die Aktionen der Animal Liberation Front) aus Schlachthöfen und Laboren zu befreien. Ihnen soll dadurch ein als sklavenhaft empfundenes Schicksal als Kotelett oder Versuchskaninchen erspart bleiben, der Zweck heiligt dabei die Mittel: Black masks and shattered glass, in the dead of the night, for this business of death. Retribution is near, we’re sending the guilty running in fear. Liberation of the enslaved. Neben dem Tier soll aber auch der Mensch befreit werden. Das übergeordnete Ziel sämtlicher Aktionen ist deshalb der Ausbruch einer veganen Revolution – ähnlich haben es Vegan Reich und Earth Crisis bereits in den 1990ern besungen. „Flames of Discontent“, die B-Seite der EP, verfolgt ähnliche Ziele. Sie ist Wolf Downs Ruf nach einer radikalen politischen Linken. Ein Ruf nach einer starken vereinigten Bewegung, die sich gemeinsam den staatlichen Instanzen und Gewalten mit allen verfügbaren Mitteln in den Weg stellt. Wenn es sein muss auch (wieder) mit Gewalt. So sollen soziale Gerechtigkeit und gesellschaftliche Solidarität erzeugt und das vorherrschende kapitalistische Ausbeutungssystem überwunden werden. Mit Wolf Downs Worten ausgedrückt: No justice, no peace, no more servants of a system based on inequality. Time to fight back, united – black and red.

Musikalisch sind beide Songs groß. Richtig groß. Das ist moshiger 90s-Hardcore im modernen Gewand, der einen Vergleich mit Chokehold oder den bereits erwähnten Earth Crisis nicht mehr zu scheuen braucht. Auf „Liberation“ gibt weiterhin alles was Wolf Down bisher ausgezeichnet hat, nur in nochmals gesteigerter Form: schwere Gitarrenriffs, heftige Breaks, Two-Step-Parts und eine fette Produktion. Dazu ein abwechslungsreiches Songwriting und angepisste, ja hasserfüllte Shouts, die besser denn je zum Wolf-Down-Sound passen. Dies soll jedoch nicht heißen, dass die ehemalige Sängerin Larissa ihre Sache schlecht gemacht hat. Nichtsdestotrotz passt Dave mit seiner an Hatebreed-Sänger Jamey Jasta erinnernden Stimme noch einen Tick besser zur Band und man kann nur hoffen, dass möglichst bald auch ein vollwertiges Album mit ihm am Mikro folgen wird.

Auch wenn man über Wolf Downs politische Ansichten geteilter Meinung sein darf und Zweifel an Zielumsetzung und Methodenwahl durchaus berechtigt sind, so muss man den Jungs Folgendes zu Gute halten: mit jeder ihrer Veröffentlichungen schaffen sie es, dass Hardcore wieder ein Stückchen politischer wird. Und das ist auch gut so, denn das Politische im Hardcore scheint in den letzten Jahren immer weiter in den Hintergrund gerückt zu sein. Doch gerade in den Zeiten von Pegida, HoGeSa und Co. ist es wichtig Farbe zu bekennen, sich klar gegen diese zu positionieren und nach gesellschaftlichen Alternativen zu suchen. Genau das machen Wolf Down konsequent, auch wenn es einigen immer noch nicht passt und vermutlich auch nie passen wird.