Yearbook – I Stop Somewhere Waiting For You

Band Yearbook
Label -
Musikrichtung Alternative, Post-Rock
Redaktion
Lesermeinung
5

Nach zwei umjubelten EPs lassen Yearbook endlich ihr Debütalbum auf die Welt los. Der bittere Beigeschmack: „I Stop Somewhere Waiting For You“ wird gleichzeitig das letzte Lebenszeichen der Band aus New Hampshire bleiben – und diese Platte macht den Abschied umso schwerer.

Düster, aber geschmeidig leiten Yearbook mit „Faster, But Slow“ das Album ein.Herrlich hallend schweben die Gitarren und die markante Stimme von Andrew Ian Halloway aus den Boxen. Wer sich nun auf dem Sessel eingekuschelt hat, wird mit dem aggressiven Einstieg der restlichen Bandmitglieder unsanft wachgerüttelt. Die wahnwitzigen Kontraste, die Yearbook schon auf ihren EPs auszeichneten, werden auf dem Langspieler perfektioniert. Die Songs unterbrechen und wechseln Atmosphäre, Lautstärke und Tempo so raffiniert, dass sie nicht bloß überraschen, sondern den Hörer wie in „15“ regelrecht erschrecken.

Trotz aller Brüche zelebriert „I Stop Somewhere Waiting For You“ das Album als Form der Gesamtheit. „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ hätte Aristoteles auch über dieses Werk sagen müssen. Ob durch Gitarrenpicking oder elektronische Soundeffekte – die Songs gehen so harmonisch ineinander über, dass der Single/Shuffle-Hörer verwundert im Regen steht.

Erstaunlich ist, wie Yearbook bei all der munter zelebrierten Vielschichtigkeit den Blick für eingängige Melodien behalten. Faszinierend schön und traurig klingt da „All Dead“, der von der Vergänglichkeit der Liebe und des Lebens erzählt. Gut, dass „Only Love“ kurz danach mit erlösender Euphorie ein Tränen trocknendes Taschentuch bereithält. Mit Songs wie diesen spielen sich Yearbook durch Postrock, Pop, Indie, Hardcore und Alternative. Wer eine Schublade für die Jungs eingeplant hatte, wird da wohl nur mit einer ganzen Kommode auskommen.

Yearbook gelingt mit ihrem ersten und letzten Album ein komplexes, emotionales Bollwerk. Ohne Rücksicht auf Konventionen und unmittelbare Zugänglichkeit verzaubert und verstört „I Stop Somewhere Waiting For You“. Die Tatsache, dass einige dieser Songs niemals eine Bühne erleben werden, macht diese Aufnahmen umso monumentaler.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
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