Young Guv – Guv II

Album Guv II
Band Young Guv
Musikrichtung Powerpop, Britpop, Synthie Pop
Redaktion
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Ben Cook kann man ohne Zweifel als musikalischen Tausendsasser bezeichnen. Nachdem er in seiner Heimat Kanada bereits seit über einem Jahrzehnt Frontmann der Hardcore-Truppe No Warning und Gitarrist der Art-Punks von Fucked Up ist, widmet er sich in seinem New Yorker Exil seit einigen Jahren eigenen Projekten. Im August hat Cook nach zahlreichen EPs mit seinem Soloprojekt Young Guv sein erstes Album veröffentlicht. „Guv I“ ist eine gelungene Hommage an den Britpop der 90er, leichtfüssig und kurzweilig. Der Nachfolger „Guv II“, der jetzt, nur einige Monate später erscheint, schlägt allerdings andere Töne an.

Cook dreht das musikalische Rad ein weiteres Jahrzehnt zurück und befindet sich nun mitten den 80ern. Ein Zeitalter, in welchem sich Musik vor allem durch zwei Dinge auszeichnete: Unfassbar hässliche Frisuren und elektronische Spielereien. Letztere verarbeitet Cook auf seinem neuesten Album. Während der Opener „She`s A Fantasy“ und das nachfoglende „Try Not To Hang On So Hard“ noch die Brücke zu „Guv I“ zu schlagen vermögen, sympathesieren die anderen Songs mit E-Drums oder Syntheziser. Bestes Beispiel: „Trying To Decide“, dessen poppiges Electro-Intro glatt auf den Alben der Pet Shop Boys zu finden sein könnte. Das wirkt zu erst einmal herzlich ungewohnt und fremd für jemanden, der sonst eher die Gitarrensaiten anschlägt, als an den Knöpfen und Tasten eines Synthezisers zu drehen. Auch „Song About Feeling Insane“ schlägt in eine ähnliche Kerbe.

Es wäre allerdings vermessen zu sagen, Cook würde auf seinem zweiten Album nur Synthiepop oder gar Ausschussware präsentieren. Zwar gehen die Songs bei Weitem nicht so leichtfüssig ins Ohr wie auf dem Vorgänger und sind deutlich weniger an Oasis, The Verve oder Suede angelehnt, doch überzeugen letztlich mit mehr Tiefgang und Experimentierfreude. „I wanted to take this one in some different directions — so it immediately gets a little more funky, sophista-poppy, yachty“, sagte Cook jüngst in einem Interview mit dem us-amerikanischen Magazin The Fader. Das ist ihm auch durchaus gelungen. „Guv II“ klingt nicht so extrem homogen wie sein Vorgänger, was der Dynamik des Albums gut tut. Dadurch büßen die Songs an manchen Stellen zwar ihren Ohrwurmcharakter ein, wirken allerdings auf Dauer längst nicht so monoton. Vor allem schafft es Cook dieses Mal, die magere Spielzeit von „Guv I“ um fast 10 Minuten zu übertreffen.

Die Oasis-Referenz fällt nun also weg. Wie wäre es stattdessen mit den Pet Shop Boys oder vielleicht sogar Frankie Goes to Hollywood? Letztes war natürlich nicht ernst gemeint. Am Ende bleibt allerdings die stille Hoffnung, dass „Guv III“ kein Italo-Pop-Album wird. Aber vermutlich würde Cook auch diesem Genre seinen eigenen Anstrich verpassen.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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