Exklusive Songpremiere & Interview: City Keys – Weight Of Mountains

Exklusive Songpremiere & Interview: City Keys – Weight Of Mountains

Als Anchor sich im April diesen Jahres plötzlich auflösten, waren viele Fans schockiert. Die Schweden galten fast neun Jahre lang als eines der Aushängeschilder der europäischen Hardcore-Szene und zählten nicht nur zu den politisch engagiertesten Bands, sondern auch zu den ohne Frage besten ihrer Zunft. Mit City Keys lebt nun aber zumindest ein Teil von Anchor weiter: Tip The Scale heißt die Debüt-EP des Nachfolgeprojekts der Stockholmer und wird am 21. Oktober als 7″, Tape und digital über Evil Greed (Twin Red, Wolf Down) und War Records (Strife, Piece By Piece) erscheinen.

Wir freuen uns euch mit Weight Of Mountains vorab einen der vier Songs der EP exklusiv vorstellen zu dürfen. Dass City Keys mit Leuten besetzt sind, die nicht zum ersten mal Musik machen, wird nicht nur in diesem Song ganz schnell deutlich, sondern auf der gesamten EP. Hier prallen jahrelange Erfahrung, Motivation und viel Energie aufeinander, von der sich manch junge Bands noch ein Scheibchen abschneiden können. Aber hört selbst:

Wir haben uns außerdem vorab mit Claes (Vocals), Fred (Drums) und Carl (Gitarre) darüber unterhalten, was hinter ihrem neuen Projekt steckt und welche Pläne City Keys für die Zukunft haben. (Please scroll down for the english version!)

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Anchor haben sich im April ohne ein großes Statement aufgelöst, ein Jahr nach dem euer letztes Album „Distance & Devotion“ erschienen ist. Was war der Grund für die plötzliche Auflösung?

Claes: Ich glaube, ich kann da nur für mich sprechen, weil wir alle eigentlich unsere verschiedenen Gründe hatten Anchor aufzulösen. Calle, der seit unserer Gründung Schlagzeug spielte, hatte bereits 2013 die Band verlassen und seitdem war eigentlich die Passion irgendwie verloren gegangen und es war schwer, das Ganze am Laufen zu halten. Eigentlich ist es ja so, dass in einer Band jeder immer mit Herzblut dabei ist, aber nachdem wir Ende 2013 Distance & Devotion aufgenommen hatten, war das irgendwie verloren gegangen. Ich bin allerdings endlos stolz auf das, was wir erreicht haben und auch dankbar dafür.

Jetzt seid ihr mit City Keys zurück, nicht mal ein halbes Jahr nach der Auflösung. Erzähl uns doch etwas über das neue Projekt. Es klingt rauer und härter, aber nicht unbedingt weniger politisch.

Claes: City Keys ist wirklich deutlich härter und düsterer. Die Songs drehen sich alle irgendwie um soziale und politische Themen, aber anders als Anchor soll City Keys keine politische Plattform sein. Alle Mitglieder sind straight edge und das ist unsere gemeinsame Basis, aber wir haben keine Agenda.

War City Keys schon geplant, bevor Anchor aufgelöst wurde oder war das eher ein spontanes Projekt?

Claes: Ja und nein. Fred und ich hatten schon länger vor, ein härteres Projekt zusammen anzugehen, hatten uns auch schon mal zusammengesetzt, aber wirklich was entstanden ist dabei nicht, außer vielleicht ein paar kleine Songideen. Auch Carl hatte mal gesagt, dass er mal Lust auf was Neues hätte. Als wir Anchor dann zu Grabe getragen hatten, haben wir uns intensiver damit befasst.

Was bedeutet der Bandname? Steckt da etwas tiefergehendes hinter?

Carl: Wenn einem jemand die Schlüssel zu einer Stadt überreicht, muss man schon etwas großes für die Bevölkerung getan haben. Neben dem Schlüssel haben wir noch einen Bolzenschneider als Logo und das soll wiederum einen Gegensatz symbolisieren. Für die Leute, die nicht groß in Erscheinung treten oder die nichts haben, wird es nie einen Schlüssel für die Stadt geben und das ist so ein bisschen das, was sich hinter unserem Namen und dem Konzept verbirgt.

Wenn ich an Anchor denke, dann kommt mir als erstes ein veganer und drogenfreier Lebensstil in den Sinn. Ist das auch ein Thema für City Keys?

Claes: Ich halte Veganismus für sehr wichtig. Ich arbeite selber für Animal Rights Sweden und lebe diese Ideale auch. Bei City Keys ist es wie schon gesagt so, dass alle von uns straight edge sind und dass wir das als gemeinsame Basis haben. Momentan sind City Keys ja nur Fred, Carl und ich, die Position am Bass ist eher noch unbesetzt. Martin, der bei unseren Aufnahmen dabei war, lebt in Schottland und kann deswegen nicht bei jeder Tour am Start sein. Wenn sich also jemand findet, der nicht vegan ist, wäre das auch kein Problem. So eng sehen wir das nicht.

Ihr habt schon eine Tour für Oktober angekündigt. Habt ihr noch mehr Pläne?

Fred: Wir sind bereits dabei eine zweite Tour für Ende November zu booken. Im Oktober sind wir nur in Deutschland unterwegs und dann wollen wir noch mal ein paar mehr Länder abdecken. Wir schreiben außerdem schon wieder neue Songs, die wir wohl im Frühling aufnehmen werden.

Mit Anchor habt ihr Shows rund um die Welt gespielt. Habt ihr Orte, an denen ihr es super cool fandet? Viele Bands sagen ja, dass touren in Deutschland echter Luxus sei, aber wenn man hier lebt denkt man oft das Gegenteil. Wie seht ihr das?

Claes: Ich liebe Deutschland. Es ist nicht besonders exotisch, weil es sich von Skandinavien nicht so sehr unterscheidet und recht nah ist, aber für Touren ist es definitiv der beste Ort der Welt. Es gibt super coole Locations und eigentlich alle Veranstalter sind super nett. Immer wenn wir hier sind, bekommen wir genügend Geld und verkaufen gut Merch. Auch bekommt man immer Schlafplätze, was in anderen Ländern absolut gar nicht Gang und Gebe ist.

Einer meiner Lieblingsorte war Bangkok und die Show, die wir dort gespielt haben. Sao Paulo in Brasilen war auch fantastisch. Coole Shows hatten wir auch in Kalifornien und Australien. Break The Ice Fest in Melbourne war super, da haben wir mit Trapper Under Ice und 50 Lions in einer riesigen Kirche gespielt. Das macht man nicht alle Tage. Hoffentlich kommen wir mit City Keys auch so gut rum.

In Schweden gibt es viele gute Hardcore-Bands: Grieved, No Omega, The Hammer. Könnt ihr uns noch ein Paar empfehlen?

Claes: Klar! Lowest Creature, Hårda Tider, Iron, Lifeblind, Existence, Neighborhood, Axe Rash, Self Surgery und Waste solltet ihr unbedingt auschecken.

Erzählt doch mal was über die Szene in Schweden. Hier in Deutschland gibt es eigentlich in jeder Stadt Shows. Wie sieht das bei euch aus? Gibt es auch im Norden eine Hardcore-Szene, wo es eigentlich keine größeren Städte gibt oder spielt sich alles in Stockholm oder Göteborg ab?

Carl: In Umea, wo Refused herkommen, wird die Fackel des Hardcore seit je her am Brennen gehalten. Klar, es ist hart für Bands da hoch zu fahren, da man echt gut acht Stunden durch NICHTS fährt. Man kann von Glück reden, wenn einem mal ein Auto entgegen kommt. Aber es lohnt sich! Die Menschen dort sind echt dankbar und die Shows sind immer super besucht. Auch in Gävle und Söderhamn gibt es eine kleine Szene mit ein paar Bands. Es ist halt schwierig, wenn man in Stockholm lebt, kommt man so gut wie nie dort hoch und umgekehrt genau so, deswegen funktioniert alles sehr isoliert voneinander.

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Unser Review zu „Tip The Scale“: www.stageload.org/reviews/city-keys-tip-the-scale


Pre-Order: evilgreed.net/en/artist-stores/city-keys/
Facebook: www.facebook.com/citykeyshardcore
Spotify: open.spotify.com/track/0BLdDw5ckfrGC73zxs393O

City Keys live:

18.10. Kiel, Alte Meierei
19.10. Dreaden, C40B
20.10. Mannheim, Juz
21.10. Leipzig, Kulturcafe Manfred
22.10. Berlin, Orwo Haus
23.10. Greifswald, Klex

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Anchor called it a day in April this year, one year after Distance & Devotion was released, without a big statement. What was the reason for calling it a day?

In respect of those who´s not get to answer on this question I can only speak for myself and possibly Fred. Calle who also was in Anchor quit in 2013 already. Out of my perspective the passion was gone and it was a struggle to keep the band going. You want things to be smooth and happen naturally cause everyone is psyched about being in a band together. I struggled hard to find motivation after we had recorded Distance & Devotion and I think I somehow found it but not fully and not enough. With that said I´m endlessly proud over what we achieved and what I learned from doing that band. Now however we´re on the page of something new that occupies my mind 24/7.

Now, not even half a year after that, you are back with City Keys. Tell us something about your new project. It sounds a lot harder, but not less politcal than Anchor.

CITY KEYS is way heavier and darker. There´s songs that deals with social and political aspects for sure but this band doesn’t have any political platform. We got the Straight Edge as a base of common beliefs and we do of course share very much the same ideals about stuff but as a band we don’t have an agenda. Which means who ever gonna play bass or step in on guitar will in first hand have to be a shredder on his or hers instrument rather then eating enough of tofu per day.
Was City Keys planned before Anchor called it a day or was it a spontaneous decision to found the band?
Yes and no. Fred and me had a heavier project some years ago and we had talked briefly about doing something harder together but nothing outspoken. I guess Carl flirted a little bit earlier this year about doing something. When Anchor ended it happened naturally for us.

What’s the meaning behind the band name – City Keys?

CARL: To be given the keys to the city has been a way to award people who did something great to the city or community. We took it a bit further and added a bolt cutter to the name as a logo, and it then turns out a bit different then the original keys to the city. For the people who has nothing and never will be rewarded, there is no other keys then the ones that cut locks.

When I think of Anchor, I think of a vegan and drug-free lifestyle. Is that also a topic for City Keys? How important is it for you to be edge and vegan?

I think its super important to all of us to be vegan. I work for Animal Rights Sweden as a day job and are of course 100% committed to those ideals. For CITY KEYS we only got the Straight Edge as ideal that we will front with the band. We´re not so sure who´s more gonna be in the band on bass. Martin who play second guitar lives in Glasgow, Scotland and wont always make it to local shows and such. So maybe there is a vegan kid who´s shredding the guitar for him then, maybe not.
You already announced a short tour for October. Any more plans for the near future?

FRED:
We’re going to do another run between 23rd of November and 4th of December that is going to cover up a bigger part of Europe. We’ve also started working on new songs so December is probably gonna be spent in the rehearsals finishing up the details of those.
For 2017 we’re planning another short tour in the end of February followed by some studio time to record our second EP and I’m pretty sure we’ve got some things going for the summer of 2017 as well!

You played a lot of shows all over the world with Anchor in the past years. What was your favorite show? Many bands say that Germany is one of the best countries for touring, but when you live here you definitly think there are better places to tour.

I love Germany. It´s not the most exotic places for us Scandinavians since it´s so close but for touring it´s the best place in the world. Good venues, good promoters, psyched kids, you get ok guarantees, you sell plenty of merch. Sleeping places are usually good and people are loyal to your band if they like what you´re going for.
Other than that, well, Bangkok was one of my favorite shows, Sao Paulo, Brazil with Ratos De Porao, Live By The Fist and more was sick. Like 1000 kids came out. Loved playing Gilman Street in California. It was quite a special venue. We did Break The Ice fest in Melbourne with Trapped Under Ice, 50 Lions and more in a huge church. Also really cool, there is a lot. As much as those are cool memories I just cant wait to go back there with CITY KEYS.

Sweden has a lot of cool bands, Anchor was one of them. But there are also Grieved, No Omega or The Hammer holding up the flag of swedish hardcore (besides City Keys of course). Are there some other call bands we should keep an eye on?

Bang your head to the following: Lowest Creature, Hårda Tider, Iron, Lifeblind, Existence, Neighborhood, Axe Rash, Self Surgery, Waste!

Tell us something about the scene in Sweden. Here in Germany you have tons shows in nearly all bigger cities from Munich to Hamburg or from Berlin to Cologne. How’s that in Sweden? Is there even a scene in the North where no bigger cities are? Or is everything happening in Stockholm or Göteborg?

Carl: Up north in Umeå they still have a flame burning for both new and old hardcore. Its hard for touring bands to go all the way up there, but they should definitely do that, since the scene is very alive and well. The most northern city doing shows is Kiruna, and that is so far away, not that many swedes has even been there. There´s also Gävle and Söderhamn rocking it out for different kinds of hardcore bands. But I guess that bands rather not go up there, since they have to go back down again through sweden, and its just too far between the shows. But I seriously recommend to try out the north core in Sweden for sure! The people up there are the most humble and nice guys around!

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News, Facebook
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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