Kurzreviews: Januar ’17

Kurzreviews: Januar ’17

Planes Mistaken For Stars – Prey
Deathwish Inc.

Volle zehn Jahre ist es her, dass die Postcore-Ikonen aus Peoria, Illinois ihr letztes Album veröffentlicht hat – und seit er Reunion 2012 haben sie auch erstmal knapp vier Jahre verstreichen lassen. Vier Jahre, die sich gelohnt haben: Viel verändert an ihrem Sound hat die Band zwar nicht, aber kernig arrangiert ist es allemal. Ab Song Nummer vier „Fucking Tenderness“ dürfen sich dann die ersten Melodien in den Vordergrund stellen – und ab der Hälfte der Platte („Clean Up Mean“) lassen Planes Mistaken For Stars sogar Gefühle zu, was in der Ballade „Black Rabbit“ mit Akkustikgitarre gipfelt. Einzig die eigenwillige, flache Produktion und der in den Hintergrund gedrängte hallende Gesang nehmen „Prey“ etwas an Glanz. Wer darüber hinweg sehen kann, darf sich darauf freuen mit Frontmann Gared O’Donnell ein lautstarkes „Don’t wanna love you no more!“ zu schmettern oder im Closer „Alabaster Cello“ die leicht angestaubte Psychedelic-Luftgitarre auszupacken. (5/8) – Andreas Steiner

Peter Doherty – Hamburg Demonstrations
BMG Rights Management

Peter Doherty ist zurück. Frisch aus der Entzugsklinik entlassen und bereits 2015 mit seinen Libertines ein neues Album („Anthems For Doomed Youth“) unter die Leute gebracht, hat sich der Absturzmusiker Nummer 1 nun nach „Grace/Wastelands“ (2009) seinem zweiten Solo-Werk gewidmet. „Hamburg Demonstrations“ steht für sanften, angeschwipst klingenden Folk, der sogar textlich deutlich positiver klingt, als man es von Dohertys psychischem Zustand erwartet hätte. „I don’t want to end up like Kolly Kibber. From a ghost train into the beautiful briny, beautiful briny sea“ heißt es zum Beispiel im Opener „Kolly Kibber“. Nicht nur für seine Fans schön zu hören, dass der Brite nicht wie der gleichnamige Charakter aus Graham Greenes „Brighton Rock“ sterben möchte. Mit „Flags From The Old Regime“ hat außerdem noch ein Tribut an Amy Winehouse auf „Hamburg Demonstrations“ Platz gefunden. „Hell To Pay At The Gates Of Heaven“ ist dagegen Dohertys Art, die Anschläge in Paris zu verarbeiten. Ganz ohne Drama kann er also trotzdem nicht – doch das ist auch ganz gut so. (5/8) – Leonie Wiethaup

Frame Of Mind – Weight Of Two
The Essence

Die Presswerke der Vinylindustrie werden von den großen Plattenfirmen, die auch auf den Hype der zumeist schwarzen Langrillen aufgesprungen sind, langsam überlaufen. Diesem Hype ist auch die Debüt 7″ von Frame Of Mind zum Opfer gefallen. Die Londoner wollten ihren Erstling eigentlich bereits im Oktober unter die Menschen bringen, nun wird es aber Februar. Nichtsdestotrotz ist die Vorfreude auf die vier Songs der Band gewaltig: Neben Higher Power sind Frame Of Mind momentan eine der Newcomer Bands in Sachen Hardcore-Punk aus Großbritannien. Anders als ihre Kollegen aus Leeds geht es bei Frame Of Mind aber weniger moshig, dafür tiefgängiger zu: Im Stil von grandiosen Bands wie Burn oder Absolution mischen Frame Of Mind die unbändige Energie der frühen Hardcore-Punk-Bewegung (Bad Brains!) mit dem Groove und der Emotionalität der Neunziger. Nicht selten fühlt man sich dabei an Turnstile erinnert. Ein Muss für jeden, der auf energiegeladenen Hardcore fernab von Terror, Comeback Kid und co steht. (6/8) – Patrick Siegmann
Crying – Beyond The Fleeting Gales
Run For Cover

Weinet nicht! Zumindest wenn ihr mal wieder das Gefühl haben solltet, alles schon irgendwie gehört zu haben und nur noch die Kopie der Kopie der Kopie vorgesetzt zu bekommen. Denn dann schaffen Crying Abhilfe! Auf „Beyond The Fleeting Gales“ mischt das Indierock-Trio modernen Bedroom-Pop mit knalligen 80s-Synthies und spacy Riffs und Soundsamples auf so aufreizend optimistische Weise, das einem nichts anderes übrig bleibt, als sich verträumt grinsend mitzubewegen. Von vorne bis hinten ein Album wie ein Einhorn: Ein wenig kitschig, viel Glitzer und am Ende anmutig majestätisch. Ein wenig „Beyond The Fleeting Gales“ darf in keinem Alltag fehlen! (6/8) – Sascha Schüler

Soft Grip – Devil Plays Nowhere
Pop Wig Records

Wenn man wissen will, woher Soft Grip ihren Namen haben, kann man eigentlich nur wild spekulieren. Denn die fünf minütige EP ist alles andere eine Kaffeefahrt. Durch vier Songs wird man in dieser kurzen Zeit durchgepeitscht. Dabei gibt es auch gar nicht so viel zu sagen. Präsentiert wird eine sehr schnelle und harte Punkplatte im teils recht chaotischen Gewand. Mit der dazu passenden Lofi-Produktion, könnte man beinahe glauben man sei in die achtziger oder neunziger Jahre zurückgereist. Das Ganze ist zwar nichts wirklich neues, aber auch alles andere als schlecht gemacht. Die paar Minuten zum Reinhören sollte sich der eine oder andere durchaus nehmen. (5/8) – Aaron-Corin Hane

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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