Punkrock, wie geht´s dir? Teil 2: Nicht nur Nordamerika kann Punk!

Punkrock, wie geht´s dir? Teil 2: Nicht nur Nordamerika kann Punk!

Wenn man sich umhört, dann werden einem meistens Punkbands aus Nordamerika genannt. Aber es gibt auch im Rest der Welt sehr gute Bands und diese holen immer mehr auf.

Kapitel 2 –Großartiges außerhalb des nordamerikanischen Kontinents

Meistens redet man ja von amerikanischen Bands, die vor großem Publikum spielen und Festivals headlinen. Zu oft wird dabei vergessen, dass es auch in anderen Teilen der Welt Bands gibt, die durchaus das Zeug dazu haben groß raus zu kommen. In den Neunzigern waren es vor allem Bands wie Skin Of Tears und Not Available aus Deutschland, Venerea oder No Fun At All aus Schweden, Frenzal Rhomb (Australien) oder Consumed und Snuff aus Großbritannien. Alle diese Bands hatten oder haben nach wie vor riesiges Potential, aber auch sie haben ihre Widersacher.

Bestes Beispiel sind  Millencolin, die seit den Neunzigern aktiv sind und seit der Jahrtausendwende mit ihrem Meilenstein „Pennybridge Pioneers“ in der Riege der ganz Großen angekommen sind. Sogar das ziemlich öde „Machine 15“ und die lange Plattenpause danach haben dem Status der Schweden kaum geschadet.

Ebenfalls aus Schweden stammen die Satanic Surfers, eine der ältesten Bands des Skatepunk und eine der beliebtesten sowie wahrscheinlich besten ihrer Zunft. Auch bei Rodrigo Alfaro und seine Kollegen ist ein zweiter Frühling angebrochen, sodass es erst einmal schwer wird (und auch nicht nötig ist), sie zu verdrängen.

Hallen füllen auch Hi-Standard. Gerade erst haben die Japaner ihr neues Album namens „The Gift“ auf den Markt gebracht, das allerdings durchaus zu wünschen übrig lässt. Dennoch sind sie vor allem in ihrer Heimat große Stars. In Japan gibt es im Punkbereich zudem beispielsweise noch Hey-Smith, die man locker in einem Atemzug mit Less Than Jake oder Reel Big Fish nennen kann.

 

Straightline, Noopinion, Not On Tour, Krang oder 69 Enfermos. Die Zahl der internationalen Bands, die man sich als Punk-Fan unbedingt einmal anhören sollte, ist schier unendlich lang. Auch Drunktank, Forus, Adrenalized oder Swallow´s Rose kann man hier guten Gewissens nennen. Punkrock weltweit war in meinen Augen noch nie so gut und so aktiv, wie er es aktuell ist. Sowohl die musikalische Versiertheit, als auch die Qualität in der Produktion ist in Europa und allen anderen Kontinenten sehr nah ans amerikanische Vorbild herangerückt.

Es wird Zeit, dass Bands wie Straightline oder Adrenalized auch auf Festivals die großen Bühne bespielen. Es wird Zeit, dass auch das Publikum merkt, dass man nicht Rauchen gehen sollte, wenn Heathcliff oder Multiball den Opener für eine bekannte Band geben. Es hat sich wirklich einiges getan und es gibt so viele starke Bands zu entdecken. Darum will ich noch auf fünf Bands eingehen, die ich jedem ans Herz legen möchte, der ein Faible für Punkrock und Skatepunk hat.

Von der britischen Insel kommt eine Band, die schon seit 2007 aktiv ist: Almeida. Mit relativ harten Parts stehen sie für mich für Skatepunk, wie er sein soll. Teilweise zwar sehr technisch gespielt, aber Skatepunk soll rebellisch und aggressiv klingen und genau das schaffen Almeida. Die Briten haben erst ein Album und eine EP veröffentlicht. Aber Auftritte, wie zum Beispiel auf dem Punk Rock Holiday haben den Jungs aus Hampshire zu etwas mehr Bekanntheit verholfen.

Springen wir nach Oberbayern und hören wir uns in München um. Dorther kommen (die vorher bereits erwähnten) Straightline. Diese Band existiert nun schon fast 20 Jahre und macht Skatepunk-Thrash. Die Mischung aus Songs mit viel Singalong-Charakter und den thrashig-harten und sehr schnellen Stücken ist in meinen Augen schon längst mehr wert, als „nur“ einen Slot als Vorband. Mit dem letzten Album „Vanishing Values“ ist gefühlt auch ein bisschen mehr Bewegung in die Sache gekommen. Touren um (fast) den ganzen Globus und Fans in aller Welt sind das verdiente Ergebnis harter Arbeit, starker Songs und ausdauernder Begeisterung und Liebe zur Musik.

Auch in Spanien gibt es sehr gute Bands. Über die vergangenen Jahre haben sich dort hauptsächlich Adrenalized ins Rampenlicht gespielt. Schneller, melodischer und technisch starker Skatepunk, der ebenfalls zu Höherem berufen ist. Erst in diesem Jahr hat die Band ihr viertes Album „Operation Exodus“ veröffentlicht, das sich nahtlos in die sehr ansprechende Diskografie einreiht. Auch Adrenalized werden mittlerweile auf allen Kontinenten gebucht und bespielen regelmäßig die großen Szene-Festivals. Nur der verdiente Sprung in die besseren, späteren Slots war ihnen bisher noch nicht vergönnt.

Aus Buenos Aires in Argentinien möchte ich euch Da Skate ans Herz legen. Die Band existiert seit 2004 und ist hierzulande eher unbekannt. Aber der Punkrock, den sie spielen geht einerseits voll ins Ohr, hat andererseits aber auch seine Ecken und Kanten. Teilweise sehr melodische und fast schon poppige Parts kreuzt die Band mit Hardcorepunk und wird auch mal laut. Sie selbst sehen sich von Good Riddance, Pennywise und Strike Anywhere beeinflusst. Vier Alben stehen hier zu Buche. Es bleibt zu hoffen, dass der Band der Sprung nach Europa bald einmal gelingt, denn hierzulande würde es nicht schaden, mal in den Genuss von Da Skate zu kommen.

Zu guter Letzt sollte man dann noch Drunktank erwähnen. Die Holländer haben dieses Jahr ihr neues Album „Return Of The Infamous Four“ veröffentlicht und das gehört für mich persönlich zu den fünf besten des Hahres (Clowns – Nature Nuture, Lagwagon – Railer, Much The Same – Everything Is Fine und Good Riddance – Thoughts And Prayers sind die anderen vier, falls es jemanden interessiert). Über Drunktank könnt ihr in unserem Interview mit der Band mehr erfahren. Der Werdegang und die komplette Historie der Skatepunk-Band wird darin ausführlich behandelt.

Starke Bands, super Sound und Potential zum Headlinen haben nicht nur Bands, die bei Epitaph oder Fat Wreck Chords zuhause sind. Das internationale Angebot an hervorragenden Bands ist so groß, dass ich unmöglich alle erwähnen kann. In den letzten 20 Jahren haben diese Bands sich, den Sound und die Musik so sehr weiterentwickelt, dass man beim Anhören keinesfalls mehr sagen kann, wo sie herkommen und welches Label das ganze veröffentlicht hat.

Punks not dead, definitv nicht. Und die Bands entwickeln die Musik immer weiter. Es gibt ja auch genug Spielraum, wenn man sich nicht in Schubladendenken verstrickt.

Autor Tobi van de Wildmannen
Wohnort Tacherting
Beruf Monteur (Mobilfunk)
Dabei seit September 2016
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Berichte
Top-Alben Pascow - Diene der Party, H2O - Nothing to prove, Muff Potter - Bordsteinkantengeschichten, NOFX - Punk in drublic, Wizo - Uuaarrgh!
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