Stageload talks business: Mirko Gläser von Uncle M im Gespräch

Stageload talks business: Mirko Gläser von Uncle M im Gespräch

Wie arbeiten eigentlich kleine und große Labels? Womit können Indies gegenüber Majors punkten? Ist Spotify Fluch oder Segen und was muss man als Künstler neben der Musik heute noch alles im Griff haben? Wir wollen ein wenig hinter die Kulissen blicken und mit verschiedenen Leuten aus der Musikbranche über ihren Job sprechen. Den Anfang macht Uncle-M Chef Mirko Gläser (links im Bild).

Das Unternehmen in Kürze:

  • Tätigkeitsfelder: Label, Promotion-Agentur, Musik-Verlag
  • gegründet: Winter 2011
  • Sitz: Friedrichstadt
  • Umsatz: „mittlerer sechstelliger Betrag im Jahr“

Seit wann sitzt Uncle M in Nordfriesland und warum wolltest du weg aus Münster? 

Ich bin im Sommer letzten Jahres hier hochgezogen, da ich von Städten und speziell Münster einfach die Nase voll hatte. Münster ist so schnell gewachsen in den 15 Jahren, die ich dort gelebt habe, dass ich meine alten Lieblingsecken nicht mehr wiedererkannt habe. Außerdem bin ich letztes Jahr 40 geworden und hatte Bock, noch mal was Neues zu probieren. Da kam mir dann auch der Gedanke: „Wenn ich es jetzt nicht mache, mache ich es nie“.

Manche Leute ziehen ja nach Bali oder noch weiter weg, ich dagegen wollte an die Küste. Als meine Freundin dann hier oben noch einen guten Job gefunden hatte, passte es, da ich ohnehin arbeiten kann, von wo ich will.

Was hat sich für das Label nichtsdestotrotz verändert? Ihr braucht ja auch eine gewisse Infrastruktur wie ein Lager und ähnliches. 

Das hatten wir zum Glück vorher schon relativ dezentral organisiert. Ein Hauptteil der Ware lagert zum Beispiel momentan bei einem Logistik-Dienstleister in Österreich. Einiges haben wir zudem bei Merchcowboy in Münster. Bei mir selbst habe ich nur einen kleinen Raum mit Hochregallager, wo ich unter anderem Promo-CDs lagere.

Ich habe auch schon immer viele Mitarbeiter über Deutschland hinweg verstreut gehabt, sodass der Umzug da wenig verändert hat. Hier oben im Norden habe ich jetzt ein kleines Büro im nahegelegenen Friedrichstadt aufgemacht – ich selbst wohne komplett abseits, im Grunde fast ohne Nachbarn. Friedrichstadt ist ein Touri-Dörfchen mit rudimentärer Infrastruktur, hier gibt’s einen Bäcker, eine Post und eine Bank – um das Label zu führen reicht das völlig aus. Ich habe auch noch eine Person gefunden, die im Büro mitarbeitet und uns den Rücken frei hält.

Wie viele Leute arbeiten aktuell denn nur bei Uncle M?

Nur bei Uncle M tätig ist zum einen Birgit, meine Mitarbeiterin hier oben, dann Alexander Schlage, der aus einem Co-Working Space in Münster arbeitet und Christian Heinemann. In den vergangenen Jahren hat er unter anderem bei Warner und Glitterhouse gearbeitet, seit Anfang September ist er jetzt fest bei uns und pendelt derzeit aus Hamburg. Sein Ziel ist aber auch, dass er nach der Einarbeitungsphase aus einem externen Büro arbeitet.

Zudem ist bei Birgit und mir immer noch ein Schreibtisch frei, für Leute, die in das Musik-Business reinschnuppern möchten – sei es in Form eines Praktikums oder einer Umschulung. Wir sind derzeit auch dabei auszuloten, wie wir uns mit Uncle M in der Flüchtlingshilfe einbringen können.

Wie kam es eigentlich zur Gründung von Uncle M und wie hat sich das Label bis heute entwickelt?

Vor gut 15 Jahren habe ich in Amerika Leute kennen gelernt, die SideOneDummy betreuten und die haben mich damals gefragt, ob ich für sie eine Art Deutschland-Dependance für Marketing und PR eröffnen könnte. Wir haben dann bei Cargo Records im Vertrieb angedockt und im Grunde alle anderen Aufgaben für das Label übernommen.

2011 habe ich dann den Stecker gezogen, weil die Art und Weise wie das Label geführt wird, einfach ziemlich amerikanisch ist – was ja grundsätzlich auch in Ordnung ist, da es eben ein amerikanisches Label ist. Hier drüben hat sich der Markt aber anders entwickelt und die Szene tickt anders. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, ständig gegen Wände zu laufen, obwohl ich es eigentlich besser wusste. Also habe ich eine eigene Firma gegründet und das Angebot gemacht, dass jede SideOneDummy-Band weiterhin gerne bei uns bleiben kann – nur eben nach meinen Regeln, also so wie ich glaube, wie man mit Menschen zusammenarbeiten sollte. Seitdem arbeiten wir auch nicht mehr exklusiv für SideOneDummy.

Was macht ihr mittlerweile alles? 

Im Grunde alles bis auf Booking. Der größte Punkt ist PR und Marketing, wobei wir kaum noch klassisch PR machen, das geht meist Hand in Hand. Da wird dann nicht mehr nur eine Anzeige in einem Print-Magazin geschaltet, sondern wir überlegen uns alles Mögliche – von einer Amazon-Kampagne bis zum Flyer, der bei Green Hell beiliegt. Darüber hinaus sind wir natürlich selbst als Label aktiv. Ob eine Band auch bei uns auf dem Label veröffentlicht oder „nur“ als PR-Kunde andockt, da unterscheiden wir aber nicht groß.

Wir sind jetzt bei knapp 100 Veröffentlichungen in den letzten sieben Jahren. Im Monat sind es derzeit ein bis zwei, ganz gleich ob Album oder Single. Neu ist seit einem Jahr, dass wir einen Musikverlag haben, sodass ich mich verstärkt mit Partnern um die GEMA-Situation von Bands kümmere und ihnen helfe, an das ihnen zustehende Geld zu kommen. Booking machen wir zwar hin und wieder, wir haben ja auch unser jährliches Festival, aber es wäre vermessen zu sagen, wir sind eine Booking-Agentur.

Gibt es Pläne das zu ändern? Mit Touren lässt sich ja heutzutage mit das meiste Geld verdienen. 

Das ist wohl so. Wenn ich auf die Umsätze von Bekannten schaue, dann sind die im Booking-Bereich sicher besser geworden als im Label-Bereich. Tatsächlich ist das aber häufig ein Haifisch-Becken. Wenn man mal von kleineren Bands absieht, sind da im Business schnell ziemlich ellenbogenfixierte Menschen mit im Spiel und darauf habe ich persönlich keine große Lust, selbst wenn ich damit mehr Geld verdienen könnte. Sagen wir es mal so: Ich beneide manche Booker, mit denen wir zusammenarbeiten, nicht um ihren Job.

Welche Dienstleistung fragen Bands bei euch denn am stärksten nach? 

Witzigerweise ist es so, dass die Bands am Ende etwas anderes von uns nehmen, als sie ursprünglich wollen. Das liegt ein bisschen an fehlendem Wissen über den Markt, was man den Bands auch gar nicht verübeln kann. Die meisten haben ja keine Wirtschaftswissenschaften studiert.

Die Ausgangssituation ist immer die, dass eine Band sagt: „Ich will bekannter werden“ oder „Ich will mehr Platten verkaufen“. Der vermeintlich einfache Weg, den manche im Sinn haben, ist oft noch geprägt aus MTV-Zeiten. Da macht man mal ein Video, schickt das irgendwohin, dreht Däumchen bis der Scheck kommt und alles passt. Heute ist der Markt aber sehr komplex. Wir müssen mit sehr vielen kleinen Insellösungen arbeiten und erst die Summe aus vielen Einzelteilen ergibt am Ende das große Bild. Diese Komplexität erkennen viele erst in dem ersten Gespräch.

Wenn du fragst, was die Bands von uns wollen und was sie an uns schätzen, dann sicher, dass ich kein Blatt vor den Mund nehme. Wenn die Künstler danach noch einmal kommen und sich mit dem Plan auseinandergesetzt haben, schätzen viele, dass wir eine Art Schweizer Taschenmesser sind – also für viele Situationen Antworten parat haben.

Ihr betreut ja auch relativ viele amerikanische Bands. Kommen die oftmals mit falschen Vorstellungen vom dortigen Markt nach Europa? 

Total, das liegt schon allein daran, dass die Bands, die es sich überhaupt leisten können, von Amerika nach Europa zu schielen, mittlerweile da drüben ein ganz anderes Business vorfinden als sie hier erwartet. Die Menschen ticken anders, die Medien sind anders. Letztlich unterscheidet sich auch das Hörverhalten, trotz Internet und relativ direktem Zugang nach Amerika. Es ist schon noch so, dass uns die Vereinigten Staaten kulturell gesehen immer noch 12 Monate voraus sind. Was hier jetzt gerade richtig gut funktioniert, war da schon vor einem Jahr „yesterday’s business“.

Wie sucht ihr neue Bands überhaupt aus? 

Bei den PR-Aufträgen ist es so, dass wir glücklicherweise gar nicht mehr selbst Akquise betreiben müssen: Wir bekommen drei bis vier mal mehr Anfragen, als wir überhaupt bearbeiten können. Ein, zwei Mal die Woche führe ich Vorgespräche mit potentiellen Partnern – in der letzten Zeit waren das viele Amerikaner, Australier und Kanadier – und siebe aus, je nachdem was cool ist und was wir überhaupt umsetzen können. Vieles sage ich ehrlicherweise danach schon ab. Oft wird da noch gar nicht über Geld gesprochen, sondern nur über Inhalte. Wenn die stimmen, kann man tiefer eintauchen.

Bei den Bands, die wir selbst veröffentlichen wollen, befindet es sich gerade ein bisschen im Umbruch. Wir haben in den vergangenen Jahren häufiger die Entscheidung getroffen mit einer Band zu arbeiten, weil wir der Meinung waren, dass sie uns den Zugang zu gewissen Personen oder Netzwerken ermöglicht. Daraus ist mittlerweile allerdings ein ziemlicher Flickenteppich geworden.

Ich selbst kann hinter jedem dieser Releases stehen, aber ich kann mir in meiner Freizeit von Jazz bis Ska-Punkt auch vieles anhören und das ist eben nicht bei jedem so. Deshalb muss und werde ich in den kommenden Jahren hier wieder stringenter vorgehen und für Bands, die ich einfach mag, vielleicht andere Lösungen finden, als sie unter dem Label Uncle M zu veröffentlichen.

Der Weg ist an sich der klassische: Ich entdecke eine Band auf einer Show oder bekomme einen Tipp von einem Freund und wenn die Musik ein Gefühl in mir auslöst, dann rufe ich da an und der Ablauf geht wieder von vorne los. Ich sag‘, was ich mag und wo ich hin möchte, die Band sagt, ob sie da auch Bock drauf hat und dann findet man einen Weg.

Wenn du sagst, du willst Uncle M klarer ausrichten: In welche Richtung soll es gehen? 

Stilistisch gesehen liegen wir an der Schnittmenge zwischen Overground und Underground. Wir haben selten Bands, die knietief in der DIY-Szene stecken, wobei ich das persönlich immer super finde. Aber es soll ja hier um das Wirtschaftliche gehen und tatsächlich darf ich auch die kommerzielle Seite nicht aus den Augen verlieren.

Wenn ich in eine Band investiere und an ihr arbeite, habe ich schnell einen fünfstelligen Betrag von meinem eigenen Konto auf dem Schirm und wenn am Ende 32 limitierte, bedruckte 7″ verkauft werden, mache ich das vielleicht noch ein halbes Jahr. Ich muss diese Diskrepanz unter einen Hut kriegen. Viele von den Dingen, die wir gemacht haben und kommerziell erfolgreich waren, liebe ich, aber das sind teilweise diese Ausreißer, die halt nicht mehr passen, wenn man etwa eine Band wie anorak auf dem Label hat. Kommerzielle Perspektive und eine Haltung sowie Grundwerte unter einen Hut zu bringen, das wird unser Ziel sein.

Wie stehst du denn zum stets gerne heißt diskutierten Thema Streaming?

Ich wusste, dass die Frage kommt und habe zur Vorbereitung etwas rausgesucht: Vor fünf, sechs Jahren, in den Anfangstagen von Uncle M, habe ich ein Interview im Visions gegeben, die damals Labelbetreiber und Künstler gefragt haben, wie wir Spotify finden. Ich habe mich damals als sehr krasser Spotify-Gegner positioniert und immer nur auf die monatlichen Einkünfte von unseren damals vielleicht zehn Releases geschaut und gedacht, „Leute, wollt ihr mich verarschen? Wer soll davon leben, was da monatlich reinkommt, macht bloß diesen Laden dicht“.

Heute ist es so, dass ich jeden Monat, seitdem diese zehn Releases rausgekommen sind, das gleiche Einkommen durch sie habe. Wenn ich von Streaming spreche, muss ich an diesen langem Atem denken – bei uns ist mittlerweile die Rede vom „passiven Einkommen“. Wir haben teilweise heute längst aufgelöste Bands vor einigen Jahren in gewisse Playlisten bekommen, die bis heute unverändert sind und haben dadurch jeden Monat kontinuierliche Einnahmen. Das ist pro Song sehr gering, aber sieben Jahre später ist unser Katalog so stark angewachsen, dass ich über die Einnahmen von 1.500 Songs verfügen kann.

Dass alle diese Songs ein solides Grundrauschen reinspielen, sorgt dafür, dass ich bei diesen Releases bis auf die Künstler-Tantiemen keine Kosten mehr und obendrein eine verlässliche Einkommensquelle habe. Würde ich heute den Stecker ziehen und sagen, ich mache nie wieder was Neues, könnte ich problemlos zwei Jahre als Rentner auf der Veranda sitzen und hätte trotzdem das gleiche Einkommen wie jetzt – das ist schon auch wieder ziemlich cool.

Müsst ihr in Zukunft auch gerade darauf setzen, auf dem Feld Streaming immer besser zu werden? Ein Comeback der CD ist ja unrealistisch und die Vinyl-Zahlen sind in Relation zum Gesamtmarkt kaum relevant. 

Streaming an sich muss im Rock-Bereich besser werden. Aufgrund der Hörerschaft im Bereich der Gitarrenmusik gibt es teils absurde Situationen, die leider auch bei Spotify zu falschen Entscheidungen meinerseits geführt haben. Im Hip-Hop-und vielleicht bis hin zum Indie-Bereich gibt es sehr stark von Spotify kuratierte Listen, die es den Künstlern, die dort reinkommen, ermöglichen, schnell eine hohe Hörerschaft zu erreichen.

Im Gitarrenbereich ist es so, dass einfach qua unserer Herkunft viele noch den technischen Schritt zu Spotify scheuen. Wenn wir ehrlich sind, sind es in Deutschland im Szene-Punkrock-Bereich eben doch nur 20.000 Menschen und nicht 2,5 Millionen wie im Hip-Hop. Diese Zahlen drücken uns runter und sie führen auch dazu, dass Gitarren-Musik, und gerade Szenen-Gitarrenmusik, bei Spotify ein totales Nischendasein führt.

Spotify ist für uns ein großer Partner und eine wichtige Einnahmequelle. Aber würde es uns als Szene gelingen, dass noch mehr Menschen bei Spotify entsprechenden Playlisten folgen und auf diesem Weg Musik konsumieren, wie es in anderen Genres auch geschieht, würde sich auch ein richtiges Geschäftsmodell ergeben. Bis das soweit ist, ist es für viele kleinere Bands eher ein Zubrot oder ein Weg, 90 statt 70 Leute auf einer Show zu haben. Aber in anderen Genres ist es eben so: Bist du in dieser einen Playlist, spielst du morgen im Palladium.

Was wird euch sonst in Zukunft beschäftigen? Oder anders: Wie willst du dafür sorgen, dass der Laden weiter läuft?

Was 2020 angeht, mache ich mir grundsätzlich keine Sorgen. Wir sind mit unserer Auftragslage so weit, dass ich jetzt schon bis Weihnachten 2020 an sich durchplanen kann. Das ist eine tolle Situation, die ich so noch nie hatte und sie gibt viel Sicherheit – auch für meine Mitarbeiter.

Gleichzeitig werden uns die großen Umbrüche erst noch treffen. Saturn, Media Markt und andere sind 2020 dabei ihre CD-Regale abzuschrauben, Vinyl vielleicht auch. Das heißt, dass dieses Format, was eigentlich kaum noch einer kauft, bei dem ein oder anderen Release aber doch dafür sorgt mit sehr geringen Kosten noch einen guten Umsatz zu machen, für uns bald nicht mehr verfügbar ist. Es wird sich aufgabeln zwischen Streaming und Vinyl.

Ich glaube, die großen Herausforderungen, vor denen wir in den nächsten ein, zwei Jahren stehen werden, sind zum einen, dass Mittelsmänner verloren gehen und wir eine noch direktere Beziehung zu den Musikfreunden aufbauen müssen, um zu gewährleisten, dass zwischen meinem Mund und deinem Ohr nichts verloren geht. Zudem habe ich große Sorgen vor der Macht der Technologiekonzerne. Alleine, dass Apple den iTunes-Store mehr oder weniger schließt, führt bei uns zu einem Einbruch, der pro Monat eine vierstellige Summe zur Folge hat, da wir eben doch noch an manche Leute Downloads verkauft haben. Das fällt jetzt auf einmal weg.

Sollte irgendjemand mal auf die Idee kommen, die Ausschüttungsquoten bei Spotify zu ändern, habe ich auch keine Wahl, ich muss den Weg mitgehen. Momentan passt es noch. Wenn aber in fünf Jahren jemand beschließt, dass das jetzt anders laufen soll, kann uns von heute auf morgen der Boden unter den Füßen weggezogen werden.

Damit einhergehend mache ich mir auch Sorgen um die Entwertung der Kultur, wenn man das so sagen kann. Der Trend geht hin zum Digitalen, ja, aber das Digitale bildet nur noch einen Bruchteil von dem ab, was du vorher im haptischen Bereich am Produkt hattest. Klar, du kannst die Musik hören. Aber wenn du bei einer kleineren Band das Textblatt mit in die Hand nehmen willst, bietet dir Spotify da keine Funktion an. Da geht uns schon ein wenig Bindung verloren.

Wie sind eigentlich eure Kontakte zu Majors? Arbeitet ihr teilweise auch zusammen? 

Selten, wobei es auch viele Überschneidungen gibt: Viele der Indie-Firmen, für die wir arbeiten, sind eigentlich im Besitz von Majors – Rise Records zum Beispiel. Dass wir mit Majors direkt zu tun haben, kommt aber wirklich kaum vor. Das liegt nicht an persönlichem Nichtwollen – die gehen einfach ihren Weg und wir gehen unseren, das funktioniert nebeneinander.

Ihr habt also auch noch keine Band an ein Major „verloren“?

Wenn man so will, haben wir eine Band wie KMPFSPRT nach ihrem Debüt an ein Major verloren, weil sie zu People Like You Records / Century Media gegangen sind, die wiederum zu Sony gehören. Da steht dann vielleicht nicht groß Sony drauf, aber es ist schon deren Geld, das dafür sorgt, dass so eine Band sagt, da haben wir Bedingungen, die uns ein Indie nicht bieten kann. Aber dieses David & Goliath-Ding sorgt ja auch dafür, dass wir Kleinen versuchen müssen die besseren Ideen zu haben, weil die anderen eben mit mehr Geld arbeiten können.

Ab einem gewissen Punkt spricht man mit Bands immer auch über Geld, das bleibt natürlich nicht aus. Ich versuche meinem Gegenüber aber immer klarzumachen, dass wir über mehr Währungen verfügen als nur Geld. Es gibt eben auch die Währungen Zeit und Kreativität, die gewisse Leistungen generieren können. Bands stehen nicht automatisch besser da, wenn sie mit viel Geld ausgestattet sind. Es ist immer eine Kombination aus vielen Dingen.

Oft sind Bands sich selbst gar nicht bewusst, wie schlecht ihre Strukturen eigentlich sind. Egal ob Major oder Indie, heutzutage wird eine ganze Menge von dir gefordert. Vor zehn Jahren hat es gereicht, einen Myspace-Account zu betreuen, heute musst du Online-Marketing können, diverse Accounts betreuen, einen WhatsApp-Newsletter haben und vieles mehr. Das überfordert natürlich viele und der Irrglaube ist, zu denken, ich gehe jetzt zu einer großen Firma und muss das alles nicht mehr tun – im Gegenteil: Du wechselst nur auf ein größeres Spielfeld, aber die Regeln bleiben die gleichen.

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Redakteur
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Redigat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
Die besten Konzerterlebnisse The National (Tanzbrunnen)

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